WHO versorgt Entwicklungsländer mit Tamiflu

Mai 4, 2009  
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In den westlichen Ländern geht die Angst vor der jetzt so genannten Neuen Grippe langsam zurück. Auch, weil man in diesen Ländern bezüglich der Grippemedikamente gut aufgestellt ist. Doch was ist mit den Ländern, in denen das nicht so ist?
Berlin – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird 72 Entwicklungsländer mit insgesamt 2,4 Millionen Einheiten des Grippemittels Tamiflu versorgen. Auf diese Weise sollen die ärmeren Länder der Welt gegen einen möglichen Ausbruch der Neuen Grippe gewappnet werden. Der zuständige Direktor der WHO, Mike Ryan, erklärte am Samstag in Genf, dass es zu diesem Zeitpunkt wichtig sei, dass alle Länder Zugang zu antiviralen Präparaten hätten. Mögliche Empfängerländer nannte er jedoch nicht. Zudem wies Ryan darauf hin, dass die höchste Pandemie-Warnstufe 6 noch nicht ausgerufen sei. Dafür müsse das Virus erst eine anhaltende Übertragung außerhalb Nordamerikas verursachen.

Der Pharmakonzern Roche aus der Schweiz kommt inzwischen einer Bitte der WHO nach und gab seinen Notvorrat an Tamiflu am Samstag frei. Dieser werde nach Ermessen der WHO in von der Neuen Grippe betroffenen Ländern eingesetzt. Die Weltgesundheitsorganisation selbst hat Vorräte von zwei Millionen Packungen Tamiflu in Form regionaler Bestände und einen drei Millionen Packungen umfassenden Notvorrat an bei Roche eingelagerten Medikamenten.

Produktionsmenge gesteigert

Darüber hinaus steigerte der Pharmakonzern die Produktionsmenge von Tamiflu, damit die wachsende Nachfrage gedeckt werden kann. Bereits in der vergangenen Woche war der Produktionsausstoß des Grippemedikaments an verschiedenen Stellen der Lieferkette erhöht worden.

In Deutschland nehme die Nachfrage nach Neuramidasehemmern allgemein zu, äußerte die stellvertretende Pressesprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Es gehe hierbei hauptsächlich um Tamiflu und Relenza, welche das Virus abbremsen könnten.

Warnung vor „vorbeugender“ Einnahme
Zwar lägen noch keine exakten Zahlen vor, doch sei die Summe der Bestellungen der letzten drei Tage etwa so hoch wie in einem typischen Grippemonat, so der Pressesprecher des Pharmagroßhändlers Gehe, Michel Binkert. Ein echter Run, wie derzeit in den USA zu beobachten, sei nicht erkennbar. In Deutschland bevorraten sich in erster Linie die Apotheken mit den Medikamenten. Im Falle einer Epidemie müssen sie die Patienten ausreichend versorgen können.

Vor einem eigenmächtigen, „vorbeugenden“ Einsatz der antiviralen Medikamente wird ausdrücklich gewarnt. Die Ärzte könnten das Medikament zwar vorsorglich verschreiben, wenn ein Patient beispielsweise eine Reise nach Mexiko plane, eingenommen werden sollten sie jedoch nur, wenn das Virus zweifelsfrei diagnostiziert wurde, warnen der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der internationalen Großhandels- und Apothekengruppe Celesio, Rainer Burghausen, sowie Rainhardt Hanpft, der Geschäftsführer der Apothekenkammer Hamburg. Ansonsten riskiere man, dass das Virus eine Resistenz gegen den Wirkstoff entwickle.

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