Karies behandeln ohne Bohren

Juli 15, 2009  
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Endlich. Darauf hat die Welt gewartet. Zumindest ein großer Teil. Denn die Angst vor dem Bohren beim Zahnarzt gehört nun der Vergangenheit an.

Der Bohrer wird jetzt arbeitslos - Foto: pixelio.de

Der Bohrer wird jetzt arbeitslos - Foto: pixelio.de

Berlin/Kiel – Schon Kinder bekommen Panik beim Gedanken an den Zahnarzt und auch viele Erwachsene gehen einfach nicht hin. Schuld daran ist vor allem die Angst vor dem Bohrer. Dabei sind es oft gar nicht unbedingt die Schmerzen, denn dafür gibt es ja eine Betäubung. Für viele ist es die Kombination aus Geruch, Geräusch und dem Gefühl, ausgeliefert zu sein.

Schmerzfrei und schnell

Dies alles hat nun ein Ende, denn Forscher der Charité Berlin und der Universitätsklinik in Kiel haben ein Gel entwickelt, mit dem das Bohren überflüssig wird. Wenn der Zahnarzt nun eine mit Karies befallene Stelle am Zahn entdeckt, wird als erster Schritt ein ätzendes Gel aufgetragen, mit dem die Zahnoberfläche aufgeraut wird. Daran anschließend wird das Porensystem getrocknet, mit einem Kunststoff gefüllt und dieser lichtgehärtet. Der Kunststoff dringt in die Karies ein und schließt die Poren. Und fertig ist die neue Füllung.

Für die Forscher liegen die Vorteile klar auf der Hand. Denn wenn der Zahnarzt bohre, müsse er viel mehr gesundes Gewebe abtragen als mit der Gelmethode. Dies sei besonders im Anfangsstadium der Karies, in dem sich oft die Frage stellt, ob schon gebohrt werden müsse, hilfreich. Mit der neuen Infiltrationsmethode könne Karies nun effektiv behandelt werden, ohne gesundes Gewebe angreifen zu müssen.

Schwachstellen vorhanden

Doch wie alles Gute hat auch diese Methode Schwachstellen. Bei großflächigem Kariesbefall im fortgeschrittenen Stadium kann sie nicht mehr helfen, denn dann ist zu viel Gewebe bereits zerstört. Hier muss der Zahnarzt dann doch wieder zum Bohrer greifen.

Der zweite Schwachpunkt ist, dass die Krankenkassen die Methode bisher nicht übernehmen und sie daher komplett selbst bezahlt werden muss. Darüber hinaus wird sie bisher nur von zwei bis drei Prozent der Zahnärzte überhaupt benutzt. Ob Ihr Zahnarzt dabei ist, können Sie nur herausbekommen, indem Sie ihn fragen. Informiert wurden alle deutschen Zahnärzte über die neue Methode und das Interesse sei auch vorhanden, so Hendryk Meyer-Lückel von der Uniklinik Kiel.

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