Zecken: Borreliose wird unterschätzt

 
abgelegt unter Gesundheits-News

In jeder Arztpraxis sieht man die Werbeblätter und Poster zur Impfung gegen FSME. Viele Menschen und auch Ärzte scheinen damit die Gefahr, die von Zecken ausgeht, für gebannt zu halten. Schließlich kann man sich dagegen impfen lassen. Dass von der Zecke eine viel größere Gefahr ausgeht, die oft lebenslang behandelt werden muss, hat selbst die Wissenschaft offenbar verdrängt.

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung - Foto: Fotolia

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung - Foto: Fotolia

Berlin – Man hört es immer wieder und doch ist es falsch: Der harte Winter sorgt nämlich nicht dafür, dass die Zecken absterben. Ganz im Gegenteil, das kalte Wetter friert sie sozusagen ein und im Frühjahr erwachen sie umso hungriger. Zeckenfeindlicher sind da die milden Winter, denn in ihnen werden viele der kleinen Plagegeister von Pilzen befallen und sterben ab.

250.000 Neuinfektionen pro Jahr

Nun ist es Sommer und die Zeckensaison hat längst begonnen. Dank einer Impfung, die oft schon als Zeckenimpfung bezeichnet wird, glauben viele, offenbar auch Ärzte, dass die Gefahr durch Zecken gebannt und unter Kontrolle sei. Wie sonst ließe sich erklären, dass es so viele Fehldiagnosen gibt?

Die Patientenorganisation Borreliose und FSME Bund Deutschland (BFBD) bemängelt die fehlende Aufmerksamkeit für die Borreliose. Bundesweit sei laut BFBD von 250.000 Neuinfektionen pro Jahr mit der von Zecken übertragenen Krankheit auszugehen. Der BFBD bemängelt weiterhin die fehlende Sensibilisierung der Ärzte. Viele Infektionen blieben unerkannt und wachsen sich so zu chronischen Erkrankungen aus.

Borreliose kein Thema in der Wissenschaft

Auch in der Wissenschaft werde die Borreliose kaum thematisiert. Das kritisierte die von Ärzten und Forschern gegründete Deutsche Borreliose-Gesellschaft (DBG). Ihr stellvertretender Vorsitzender, Rüdiger von Baehr, äußerte: „Borreliose-Forschung in Deutschland gibt es nicht“. In einer mit 60 Millionen Euro vom Bund geförderten Forschungsinitiative, die Krankheiten untersucht, welche von Tieren auf Menschen übergehen, komme die Borreliose als Forschungsthema überhaupt nicht vor.

Seit 2001 ist die Borreliose meldepflichtig. Bei einer Infektion gilt: Je schneller sie diagnostiziert wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung. Wird die Borreliose chronisch, kann sie zu lebenslangen Beeinträchtigungen führen. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung.

Kommentare

2 Kommentare zu “Zecken: Borreliose wird unterschätzt”
  1. Genau so ist es! Die Krankheit wird höchstens sogar noch verniedlicht (Internet Borreliose), so als könnte man sich die Borreliose Symptome durch das Lesen der Informationen einbilden. Leider ist die Borreliose nicht in allen Bundesländern meldepflichtig. Aber selbst wenn, gäbe es leider eine große Dunkelziffer, da noch nicht jeder Arzt auch eine Borreliose erkennen kann.

    Liebe Grüße
    Josef 😉

  2. Pap sagt:

    Die Borreliose wird viel zu oft, auch von vielen Ärzten, mit der Multiplesklerose(MS) verwechselt, also viel zu oft falsch diagnostiziert, was schon schlimm ist. Schlimmer ist es aber wenn mann sich wünschen müsste an MS statt an Borreliose zu erkranken, nur weil die AOK für die MS bereit ist bis zu €30.000 an Medikamentenkosten zu tragen, und nicht für die Borreliose.
    Einer meiner Arbeitskollegen ist an Borreliose erkrankt und bekommt keine Finanzielle Unterstützung von der Krankenkasse.
    Wie können wir ihm helfen? Muss sein Arzt bewusst eine Fehldiagnose fällen, also den Kollegen zum MS-patienten „nomminieren“ um die AOK zu zwingen seine Behandlungskosten zu übernehmen?
    Der Kollege ist jung, noch Arbeitsfähig und hat das Leben vor sich. Die Fragen sind: Wie kann ein Gesundheitssystem funktionieren, wenn es so kontraproduktiv mit Kranken umgeht? Was ist denn für die AOK teurer? Den Kollegen wieder gesund zu kriegen oder ihm als Pflegefall einzustufen? Was denkt und sagt die Bundesgesundheitsministerin über so einen Fall?