Schweinegrippe: erster bestätigter Fall in Spanien

April 27, 2009  
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Nachdem die Panik in Nord- und Mittelamerika bereits ausgebrochen ist, droht sie nun auch Europa zu überrollen. In Spanien gibt es einen ersten bestätigten Fall von Schweinegrippe. Weitere vier Personen, von denen aus Frankreich berichtet worden war, sind hingegen nicht mit dem Schweinegrippevirus infiziert.

Madrid – Europa hat seinen ersten Schweinegrippe-Fall. Ein erst vor kurzem aus Mexiko zurückgekehrter Spanier trug offenbar den mutierten Erreger des Typs A/H1N1 in sich. Das teilte der spanische Gesundheitsminister Trinidad Jiménez heute in Madrid mit. Frankreich konnte dagegen entwarnen. Bei den vier betroffenen Personen, die im Verdacht standen, ebenfalls die Schweinegrippe zu haben, konnte diese ausgeschlossen werden.

Seit dem Ausbruch der Krankheit in Mexiko sind weltweit die Gesundheitsbehörden beunruhigt. Zudem tragen die Medien ihren Teil zur Panik in der Bevölkerung bei. So haben die USA einen nationalen Gesundheitsalarm ausgelöst – obwohl kein einziger Amerikaner gestorben ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht der Schweinegrippe das „Potenzial einer Pandemie“ zu. Die deutschen Behörden hingegen raten noch zum Abwarten.

Lage in Mexiko weiter undurchsichtig

Mittlerweile spricht das mexikanische Gesundheitsministerium von mehr als 1600 Verdachtsfällen sowie 106 Toten, ohne jedoch anzugeben, wie viele der Toten tatsächlich an der Schweinegrippe gestorben sind. Auch wird die Ausbreitung und der Schweregrad der Erkrankungswelle derzeit noch untersucht. 19 der 32 mexikanischen Bundesstaaten sollen betroffen sein. In den USA gibt es 20 bestätigte Fälle, die aber alle milde verlaufen seien und von denen nur ein Patient in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Doch woher kommt dann die Panik? Unter normalen Umständen hätte keine dieser Erkrankungen Erwähnung in den Medien gefunden. Aber seit März diesen Jahres häuften sich in Mexiko die Fälle schwerer Atemwegserkrankungen, unter ihnen zahlreiche Fälle von schwerer Pneumonie mit Todesfolge. Die meisten dieser Erkrankungen wurden aus dem mittleren Mexiko gemeldet, einige jedoch auch aus dem Grenzgebiet zu den USA. Dies könnte der Grund dafür gewesen sein, dass die Gesundheitsbehörden von San Diego, das nahe der mexikanischen Grenze liegt, zwei grippale Infekte bei Kindern genauer untersuchte und einen Erregernachweis durchführte. Dieser Test ergab, dass beide Kinder Influenza-A-Viren in sich trugen und diese Viren müssen seit 2007 in den USA gemeldet werden. Ende letzter Woche wurde der Erreger der beiden Kinder als bisher unbekannte Variante des Schweinegrippe-Virus identifiziert und mit der Bezeichnung H1N1 versehen. Diese Mutation konnte auch bei einigen mexikanischen Fällen nachgewiesen werden und löste mit Hilfe der Medien panikartige Reaktionen weltweit aus.

Schweinegrippe ist nichts Neues

Bereits 1930 wurde das Virus der Schweinegrippe zum ersten mal isoliert. Seitdem gibt es immer wieder Varianten dieses Typs. In der Wissenschaft geht man davon aus, dass das Virus ursprünglich vom Menschen aufs Schwein übertragen wurde.
Das Genom des aktuellen Virus ist bereits entschlüsselt und ein verbesserter Schnelltest entwickelt worden. Dadurch dürfte die Zahl der Bekanntmachungen sehr wahrscheinlich in den nächsten Tagen steigen. Auch sind einzelne Fälle durch Reisende oder Rückkehrer aus Mexiko in Deutschland nicht auszuschließen.

Aus epidemiologischer Sicht unterscheidet sich das neue Virus durch seine Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch. Das zumindest folgerten US-Wissenschaftler, da keiner der Betroffenen dort Kontakt zu Schweinen gehabt hatte. Eine Übertragung vom Schwein auf den Menschen ist zwar möglich, gilt aber als sehr selten.

1976 gab es in Fort Dix, einem Militärlager in New Jersey eine kleinere Schweinegrippe-Epidemie unter 230 Soldaten. 13 Von ihnen erkrankten schwer. Edwin Kilbourne, ein heute 88-jähriger Spezialist erinnert sich an einen einzigen Todesfall. Nach diesem wurden damals 40 Millionen Amerikaner geimpft, wobei es mehrere hundert Fälle von Komplikationen gab und mehrere Tote. Aus diesem Blickwinkel betrachtet sollten Gegenmaßnahmen gut geplant erfolgen und nicht aus einer Panik heraus..

Panik ist derzeit nicht angebracht

Auch die weltweiten Behörden warnten am Wochenende vor einer Panik. Die WHO wird die Heraufsetzung der Pandemiegefahr von Phase 3 auf Phase 4 erwägen. Phase 3 bezeichnet die seit Jahren bestehende „pandemische Warnphase“, in der es zwar Infektionen mit neuen Subtypen gibt, diese aber nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Phase 4 bezeichnet das gehäufte Auftreten eines neuen Subtyps mit begrenzter Übertragung von Mensch zu Mensch. Ob dies bei den wenigen bisherigen Fällen gerechtfertigt ist, wird die WHO diese Woche besprechen.

Darüber hinaus gibt es eine Falldefinition für die Schweinegrippe: Berechtigte Verdachtsfälle sind alle Personen, die Kontakt zu erkrankten Menschen oder Tieren hatten oder innerhalb von sieben Tagen nach der Rückkehr aus einem Gebiet mit bestätigten Erkrankungen (hauptsächlich Mexiko) akute Atemwegserkrankungen entwickeln, die folgende Symptome aufweisen:

  • laufende oder verstopfte Nase
  • geröteter Hals
  • Husten
  • Fieber
  • grippeähnliche Symptome wie Fieber über 37,8 °C plus Husten plus geröteter Hals

Da Grippeviren über Aerosole übertragen werden können, befürchten einige Experten bereits jetzt Überreaktionen in der der Bevölkerung. Dabei ist die Infektion durch direkten Körperkontakt wie Händeschütteln viel wahrscheinlicher. Auch ein Rückgang des Schweinefleisch-Verzehr wird befürchtet. In diesem Zusammenhang weist das Robert-Koch-Institut darauf hin, dass der Verzehr von Schweinefleisch unbedenklich ist, weil das Virus bei einer Temperatur von 72 °C abgetötet wird.

(Quelle: Deutsches Ärzteblatt)

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