Medizinisch eingesetze Blutegel müssen länger fasten

Juni 23, 2009  
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Auch wenn vielen die Vorstellung Gänsehaut verursacht: Blutegel sind wertvolle Helfer in der Medizin. Da sie jedoch eine sehr langsame Verdauung haben, besteht immer ein Infektionsrisiko. Darum sollen die Tierchen jetzt vor ihrem medizinischen Einsatz länger fasten müssen als bisher.

Gegen solche Hämatome können Blutegel helfen - Foto: pixelio.de

Gegen solche Hämatome können Blutegel helfen - Foto: pixelio.de

Bonn – Kleine schwarze, sich windende wurmähnliche Tiere – Blutegel sind alles andere als niedlich oder gar attraktiv. Und doch werden sie schon seit Jahrhunderten erfolgreich medizinisch eingesetzt. Hierzulande benutzt die Schulmedizin sie hauptsächlich in der plastischen Chirurgie nach Transplantationen, denn sie saugen unter anderem Hämatome weg und beschleunigen so die Wundheilung. Doch sie sind nicht harmlos, sondern können auch Krankheiten übertragen. Darum dürfen Blutegel in Deutschland nur einmal eingesetzt werden.

Zwar werden die Egel für den deutschen Medizinmarkt in Farmen gezüchtet und nicht aus Tümpeln gesammelt. Dort werden sie mit Schweineblut gefüttert, das regelmäßig auf seine Unbedenklichkeit hin getestet wird. Doch die Verdauung der Tiere ist sehr langsam, und so lassen sich noch anderthalb Jahre nach der letzten Mahlzeit Reste selbiger im Darm der Egel nachweisen. Diese Tatsache hat nun das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dazu veranlasst, die Quarantäne für Blutegel von sechs Monaten auf 32 Wochen herauf zu setzen.

Keine Wildegel am Patienten

Der Begriff Quarantäne bezieht sich hier auf die Zeit, die die Tiere hungern müssen, bevor sie nach der Aufzucht ihren einzigen Dienst am Menschen eingesetzt werden. Diese Entscheidung war eine kluge, denn im Darm der Blutegel fanden sich in Untersuchungen elf verschiedene pathogene Bakterien und sogar das Hepatitis-B-Virus.

Das ist laut BfArM auch der Grund dafür, dass in Deutschland keine Wildegel eingesetzt werden dürfen. Doch auch in den Zuchtbetrieben besteht immer ein Restrisiko für Infektionen, weil die Kenntnisse über die Viren, die sich im Schweineblut befinden können, noch nicht sehr umfassend sind. Daher könne eine Übertragung unbekannter Erreger nicht ausgeschlossen werden, heißt es in einer Leitlinie des BfArM zum Einsatz von Blutegeln.

Darüber hinaus können sich Patienten auch mit blutegeltypischen Erregern infizieren, so unter anderem mit einem im Darmtrakt der Egel vorkommenden Symbionten, der für die Verdauung der Blutegel eine wichtige Rolle spielt. Aus diesem Grunde sei es wichtig, darauf zu achten, dass Blutegel sich nicht in eine Bissstelle am Patienten erbrechen. Das könne etwa bei einer mechanischen Irritation der Egel oder durch das Beträufeln mit Salzsäure passieren. In den 80er Jahren war dies laut Leitlinie ein echtes Problem, das dafür sorgte, dass rund 20 Prozent der Behandelten sich infizierten.

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